WIR ZIEHEN UM! Bitte hier anmelden:

http://sajai.bplaced.net/Forum/index.php
 
StartseiteKalenderFAQSuchenMitgliederNutzergruppenAnmeldenLogin

Teilen | 
 

 Even Heaven is Hell

Nach unten 
AutorNachricht
Munin

avatar

Anzahl der Beiträge : 68
Anmeldedatum : 27.07.11

BeitragThema: Even Heaven is Hell   So Jul 31, 2011 12:16 pm

Am Anfang
~ wenn man es noch nicht kennt ~
liebt man das Leben





    „Ja, es gab Tage, da habe ich die Welt geliebt… mit kindlicher Naivität. Früher. Früher war jeder Sonnenaufgang der Anfang eines neuen, schönen Tages…“


Verschlafen blinzelte Munin in die ersten Sonnenstrahlen. Er gähnte, streckte sich, dann war er mit einem Mal hellwach. Hastig kämpfte sich Munin aus der Bettdecke und huschte zum Fenster. Es hatte über Nacht geschneit und die Scheibe war beschlagen. Der Junge drückte die Nase an das kalte Glas und blickte hinaus in das strahlende Weiß.
„Kéanu?“
Ja, auf diesen Namen hörte Munin damals noch.
Er wandte den Kopf zum Bett an der gegenüberliegenden Zimmerwand und blickte zu dem Mädchen, das sich dort aufsetzte und die Decke um sich zog. „Entschuldige, Shayla… ich wollte dich nicht wecken.“
Deshayla lächelte nur. „Hat es geschneit?“ Der leere Blick wanderte durchs Zimmer, ohne etwas zu sehen. Munin trat zu ihr ans Bett, berührte sich leicht an der Schulter, damit sie wusste, dass er da war. Vorsichtig ließ er sich neben sie aufs Bett sinken und betrachtete das blasse Mädchen, das beinahe zerbrechlich wirkte. Verletzlich.
„Ja… es ist alles weiß.“
Shay lächelte verträumt und ihre blinden Augen bekamen einen leichten Glanz. „Ich sagte dir doch, dass der Schnee genau zu unsrem Geburtstag kommt… Alles Gute.“ Sie lachte leise.
„Alles Gute“, murmelte Munin und nahm sie in den Arm.
Eine Weile blieb Deshayla still, dann fiel ihr etwas ein. „Ich habe sogar ein Geschenk für dich…“ Sie kramte unter ihrem Kopfkissen und hielt ihm dann eine Kette hin. Jene Kette mit dem Rabenanhänger. Sanft strich das Mädchen mit den Fingerspitzen über den kleinen, fein geschnitzten Raben. „Ich kann ihn zwar nicht sehen… aber er fühlt sich schön an. Deshalb passt er zu dir.“
Munin blinzelte, schüttelte leicht den Kopf. „Das… danke. Aber ich habe nichts für dich“, gab er schuldbewusst zu, doch Shay lachte nur wieder.
„Zieh sie mal an, bitte.“
Behutsam nahm Munin die Kette und zog sich das Lederband über den Kopf und berührte den kleinen Raben, der nun über seine Brust baumelte. Ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht.


    Deshayla, Munins kleine Zwillingsschwester, war seit ihrer Geburt blind und körperlich sehr schwach. Die Mutter der beiden weigerte sich, ihrer Tochter die richtigen Medikamente zu geben, die ihr geholfen hätten und beließ es dabei, Shay immer im Haus zu lassen, sie geradezu dort einzusperren. Um Munin kümmerte sie sich nicht, weder im positiven, noch im negativen Sinne. Aber auch Deshayla bekam keine liebevolle Zuwendung, sondern wurde von ihrer Mutter nur streng beaufsichtigt.
    Sie bekam Hausunterricht, während Munin bald zur Schule ging, wo er jedoch immer allein war. Er war einfach… anders. Konnte nur mit Deshayla richtig reden. Ihre ruhige, sanfte Art tat ihm gut und er konnte mit anderen Menschen nicht umgehen. Die anderen Kinder mieden ihn von sich aus, tuschelten über ihn. Er wusste das, aber es war ihm egal. Auch wenn sich das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, für immer in sein Gedächtnis brannte.
    Manchmal gelang es Munin, zusammen mit Shay zu entwischen. Dann zogen sie zusammen draußen umher, wobei er immer darauf Acht gab, dass es für Deshayla nicht zu viel wurde, doch stärkten diese Ausflüge das Mädchen sogar. Bis die Mutter davon erfuhr und die beiden trennte, in verschiedenen Zimmern unterbrachte und Deshayla jeden Kontakt zu ihrem Zwillingsbruder verbot. Sie wurde in ihrem Zimmer eingeschlossen und sollte es nicht mehr verlassen, bis sie „wieder gesund war“.
    Es half weder Bitten noch verzweifelter Widerspruch, Munin hatte nur die Kette, durch die er sich noch mit Deshayla verbunden fühlte. Und Shay… hatte nichts. Eines Tages fand ihre Mutter sie tot in ihrem Bett. Was genau die Todesursache war, wusste niemand, doch hatte die Krankheit den schwachen Körper wohl endgültig ausgezehrt.
    Ihre Mutter schien nun völlig den Verstand zu verlieren, beschuldigte Munin, ihre Tochter umgebracht zu haben. Der Junge war von dem Verlust noch völlig betäubt, sagte nichts dazu, blieb vollkommen stumm und emotionslos. Er rührte sich nicht einmal, als seine Mutter ihn vor die Tür zerrte und ihn dort in den Schnee stieß. Erst nach einer Weile wurde ihm bewusst, dass er nicht hier bleiben konnte und flüchtete Hals über Kopf.
    Einige Zeit lang streifte er ziellos umher, bis er an einen Hafen kam. Er schlich sich an Bord, einfach, um wegzukommen von alledem. Als blinder Passagier gelangte Munin nach Island. Ohne zu wissen, wo er war und was er tun sollte, zog er durch die Städte. Bettelte, klaute. Mit seiner unscheinbaren, schattenhaften Art hatte er mit Letzterem mehr Erfolg.
    Nur manchmal kommt die Erinnerung wieder hoch, wenn er am Abend irgendwo zusammengerollt hat, um zu schlafen. Dann huschen ihm die Gedanken durch den Kopf, die er eigentlich verdrängen möchte. Erinnerungen, die schon Jahre zurückliegen, die er jedoch nie vergessen wird.
    Und der kleine Rabe am Lederband um seinen Hals scheint in diesen Momenten leise zu ihm zu flüstern, ihm zu erzählen. Von einem Mädchen, das immer über ihn wachen wird.


X-x-X

Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
 
Even Heaven is Hell
Nach oben 
Seite 1 von 1
 Ähnliche Themen
-
» Heaven & Hell
» The Game of Heaven and Hell
» Heaven or Hell? / Partner gesucht :) BL - Partner gesucht
» Ostergrüße Heaven & Hell
» Ostergrüße Heaven & Hell

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
WIR ZIEHEN UM! Bitte hier anmelden: ::  :: V O L L S T Ä N D I G E   G R U P P E :: J U N G E N :: Munin-
Gehe zu: